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Sechs Tipps für gute technische Texte

Sechs Tipps für gute technische Texte

Über technische Produkte und Dienstleistungen überzeugend zu schreiben erfordert, ihre Stärken herauszuarbeiten. Diese Tipps skizzieren meine Vorgehensweise dabei.

1. Stärken der Produkte mit Zahlen hervorheben

Statt nur zu behaupten, dass ein Produkt gut ist, sollten Sie im Text so genau wie möglich darlegen, wie gut es ist. Hohe Leistungswerte sind immer gut als Beleg für die Qualität eines Produkts.

AA-Lithiumbatterien haben eine hervorragende Speicherkapazität. Deswegen müssen Sie mit Lithiumbatterien nur selten einen Batteriewechsel durchführen.

Ein typischer, schnell hingeschriebener Werbetext. Sicher eine zutreffende Aussage. Aber jetzt werden wir mal konkreter:

Der Hauptvorteil der AA-Lithiumbatterien ist ihre hohe Speicherkapazität: Die beträgt 3000 mAh. Das ist die höchste Kapazität aller Batterien oder Akkus mit dieser Bauform.

So ist die Aussage doch schon konkreter, oder? Wir können es aber noch besser, nämlich durch einen Vergleich mit dem zweiten Sieger. Viele Leser werden schlecht einschätzen können, was die 3000 mAh bedeuten. Das erreichen wir durch einen Vergleich:

Der Hauptvorteil der AA-Lithiumbatterien ist ihre hohe Speicherkapazität: Die beträgt 3000 mAh. Die weitverbreiteten Alkali-Mangan-Batterien speichern dagegen nur 2000 mAh.

Bingo, 50 Prozent mehr Speicherkapazität im Vergleich zum Standard, das ist doch ein Wort. "So muss Technik", um einen lustigen Werbespruch zu zitieren. Sie sehen: Zahlen können durchschlagende Argumente sein, besonders wenn man sie in Relation zu nicht ganz so gute Zahlen setzt.

Ein weiteres Beispiel: Jeder preist seine LEDs mit der Aussage an, dass sie jede Menge Geld sparen. Allerdings sind LED-Leuchten teuer im Vergleich zu anderen Leuchtmitteln. Lohnt ein Neukauf wirklich, oder sind das nur Werbesprüche? Ein typischer Werbespruch:

Sehr beliebt ist unsere LED-Aquariumbeleuchtung, die Strom spart bei optimaler Beleuchtung. Aquarium-LED-Strahler sind der neueste Trend in der Aquarium-Beleuchtung!

Super, nun sind wir so schlau wie zuvor. Neuer Versuch:

LEDs haben sich auch in der Aquaristik als bevorzugter Leuchtentyp durchgesetzt. Der Grund dafür liegt im geringeren Energiebedarf: Messungen zufolge beträgt bei T5-Röhren mit Reflektoren der Lichtstrom etwa 80 Lumen pro Watt. Die LED dagegen erreicht ungefähr 120 Lumen pro Watt.

Das ist doch ein Wort – 50 Prozent höhere Lichtausbeute. Und man achte auf die Details der Aussage: Hier wird mit einer T5-Leuchte mit Reflektor verglichen. Also dem Porsche Turbo unter den Leuchtstoffröhren, ein absolut fairer Vergleich. Da gibt es Sinn, eine Bestellung zu tätigen.

2. Stärken von Produkten erklären

Der Vergleich von Zahlen verspricht durchschlagenden Erfolg, doch die meisten Produkte sind so leicht nicht zu erfassen. Die Qualität vieler Produkte liegt nicht oder nicht allein in quantifizierbaren Kriterien begründet, sondern in der Art ihrer Funktion, vielleicht in anderen Eigenschaften wie dem Preis oder dem Design. Wenn Sie im Text erklären, warum ein Produkt gut ist, wirkt die Darstellung gleich viel überzeugender. Zum Beispiel beim Vergleich eines Bohrhammers mit einem Schlagbohrer:

Der Bohrhammer dagegen führt mit seinem leistungsfähigeren Schlagwerk größere Hübe und kräftigere Schlagbewegungen durch. Damit kann er Bohrarbeiten in Beton und harten Gesteinen wesentlich wirkungsvoller bewerkstelligen als Schlagbohrer. Das funktioniert auch ohne besonders hohen Anpressdruck. Natürlich kann man die Schlagfunktion auch abschalten, sodass der Bohrhammer als reine Bohrmaschine arbeitet.

Bei der Vorstellung der Kleinsteuerung "Logo" von Siemens wird gewöhnlich geschrieben, dass man damit zum Beispiel Licht und Rollläden steuern kann – was richtig ist. Für eine Kurzbeschreibung von Produkten ist eine solche Darstellung sicher geeignet. Aber gerade Käufer von technischen Produkten wollen oft mehr an Informationen als eine grobe Einordnung. Sie wollen wissen, wie das Gerät funktioniert und was genau es leistet. Eine vertiefte Informationen kann zum Beispiel so aussehen:

Jede SPS wie die LOGO hat mehrere Eingänge, die analog oder digital sein können. Die Steuerung wertet die Eingangssignale aus, und auf Basis des gespeicherten Programms führt es die gewünschte Schaltfunktion aus. Die Eingangssignale können von Sensoren kommen, die Zustände wie Temperatur, Flüssigkeitspegel, Helligkeit, Lautstärke oder auf/ zu signalisieren. Sie können aber auch von Schaltern und Reglern kommen, etwa Kippschaltern und Drehreglern (Potentiometer). Die Ausgänge sind für digitale oder analoge Signale nutzbar. Mit den digitalen Signalen wird Ja oder Nein, an oder aus geschaltet. Analogausgänge geben genormte Steuersignale aus.

Ein Anwendungsbeispiel hilft, den Nutzen einer solchen Steuerung plastisch vor Augen zu führen:

Ein Gärtner möchte sein Gewächshaus automatisch belüften, die Lüftungseinrichtungen aber auch manuell steuern. Die Steuerung wertet als analoge Eingangsgröße die Temperatur aus. In Abhängigkeit von der Temperatur kann sie die Dachfenster motorisch öffnen und schließen sowie Lüfter an- und ausschalten. Gleichzeitig kann sie Schalter auswerten, mit denen die Schaltstellung der Lüftung manuell beeinflusst wird.

Das war jetzt die Kurzversion eines Textes für eine Kleinsteuerung. Über ein Bearbeitungszentrum für über 100.000 Euro kann man natürlich ebenfalls einiges erzählen. Übrigens: Neben den Lesern honoriert auch Google ausführliche Texte mit besserem Ranking.

3. Beispiele machen technische Texte anschaulich

Beispiele erfüllen in Texten mehrere Aufgaben – eine der vorteilhaftesten ist, die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten des Produkts anschaulich aufzuzeigen:

Merkle liefert qualitätsvolle Schweißgeräte für alle wichtigen Schweißverfahren. Ob Handwerker, Monteur oder industrielle Anlage – von Merkle gibt es die passende Technik.

Ölflex ist eine Marke für Steuerleitungen, die sich in vielen Einzelheiten unterscheiden. Es gibt Kabel für Standardanwendungen ohne spezielle Anforderungen, für Servotechnik und Energieführungsketten, für Schaltschränke und Förderanlagen sowie für erhöhte Anforderungen hinsichtlich mechanische Belastung, Chemikalien und Temperaturen.

Eine anders geartete Nutzung ist nützlich bei Kategorietexten: Durch Beispiele lässt sich illustrieren, welche Art von Produkten der Kunde in der Kategorie zu erwarten hat. Das sorgt zum einen für leichtere Orientierung, zum anderen ist es Googlefutter, wenn alternative Suchbegriffe im Kategorietext vorkommen. Auf unauffällige Weise wird dadurch eine "Begriffswolke" erzeugt.

4. Keine neuen Fragen aufwerfen

Technik-Texter sollen offene Fragen beantworten und nicht neue Fragen aufwerfen. Das heißt Sie dürfen keine Begriffe in den Text einführen, die der Leser möglicherweise nicht kennt, ohne diese sofort zu erklären. Die Erklärung muss nicht lexikalisch präzise sein, aber der Leser sollte in etwa wissen, wovon die Rede ist. Zugleich darf die Erklärung nicht so weitschweifig sein, dass sie den Lesefluss unterbricht. Ist das nicht möglich, sollte man die Verwendung des Begriffs meiden oder die Erklärung auslagern auf einen Kasten oder eine eigene Seite – dafür wurden Links erfunden.

5. Technische Texte müssen genau sein und auf die Produkte eingehen

Schlechte Texte erkennt man vor allem daran, dass sie zum großen Teil aus Aneinanderreihungen von Gemeinplätzen bestehen. Das Auto ist geräumig und sparsam, die Bohrmaschine stark, die Möbel haben ein anspruchsvolles Design, das Kleid ist schick und die Einbauküche praktisch. Und wie sind die Produkte vom Wettbewerber? Wahrscheinlich nicht viel anders.

Das Schreiben von guten Texten über technische Themen wie zum Beispiel Autos, Maschinen und Werkzeug beginnt mit der Analyse: Was ist das für ein Produkt?  Was genau macht dessen Qualität aus? Das muss man herausarbeiten. Kurzes Beispiel:

Mit 134 kg vollgetankt lässt sich die Yamaha WR 250 flink bewegen wie ein 50er-Moped. Durch die langen Federwege von 270 mm vorne und hinten mit progressiver Wirkung schlagen auch nach verwegenen Sprüngen die Federn nicht durch.

6. Richtige Fachbegriffe in technischen Texten verwenden

Bei technischen Themen gibt es immer Fachbegriffe, mit denen Prozesse oder Produkteigenschaften korrekt bezeichnet werden. Dabei geht es vordergründig darum, Sachverhalte für Kenner und Fachkreise eindeutig zu bezeichnen. Darüber hinaus hat die bei technischen Texten verwendete Sprache eine Signalwirkung: Sie scheidet Fachleute von Laien. Wenn bei der Beschreibung von professionellen Geräten eine laienhafte Sprache verwendet wird, wirkt das nicht vertrauenerweckend. Andererseits darf die verwendete Sprache und das fachliche Niveau nicht zu abgehoben sein (siehe Punkt 4). Es gilt also, das richtige Maß zu wahren.